Expertenworkshop: Vernetzte Geräte

Veränderte Nutzung durch private Verbraucher – eine Chance für die Energieeffizienz?

Immer mehr private Verbraucher nutzen Streaming-Dienste, Heimnetzwerke und mit dem Internet verbundene elektronische Geräte. Wie wirkt sich dieser Trend auf den Stromverbrauch aus? Über diese Frage diskutierten am 8. September 2015 Experten auf einem Workshop der dena in Berlin.

08.09.2015

Die Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, Industrie sowie Umwelt- und Verbraucherverbänden erörterten im Wesentlichen die folgenden Fragen:

  • Gewinnt das Thema Stand-by wieder an Bedeutung, dadurch dass sich vernetzte Geräte häufig im „Netzwerk-Bereitschaftszustand“ befinden?
  • Werden neue, vernetzte Produkte und Anwendungen von bestehenden rechtlichen Regelungen zur Reduzierung des Stromverbrauchs erfasst?
  • Wie kann der Verbraucher informiert und motiviert werden, Effizienzpotenziale zu nutzen? Welche Rolle spielen Handel und Hersteller?

Einleitend stellte Frau Dr. Christiane Koziolek aus dem Referat II B3 „Stromeffizienz und produktbezogene Energieeffizienz“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Ziele und Instrumente der Bundesregierung zur Steigerung produktbezogener Energieeffizienz in privaten Haushalten vor. Dabei ging sie insbesondere auf neue Maßnahmen im Rahmen des Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) ein, wie das nationale Effizienzlabel zu Heizungsaltanlagen und die wettbewerbliche Förderung von Stromeffizienzmaßnahmen über den Wettbewerb „STEP up!“.

Marktentwicklungen und Trends im Bereich der Consumer Electronics präsentierte anschließend Frau Isabel Richter, Bereichsleiterin Umwelt- und Nachhaltigkeit beim Digitalverband BITKOM. Anhand von Zahlen einer aktuellen Studie des Branchenverbandes machte sie deutlich, dass die Vernetzung in privaten Haushalten weiter zunimmt. Zentrale Treiber dieser Entwicklung sind aus Sicht der BITKOM Mobilgeräte wie Smartphone und Tablet Computer. Auch das Audio- und Videostreaming nimmt stark zu, insbesondere bei jüngeren Menschen. 

Freiwillige Selbstverpflichtung oder Ordnungsrecht?

„Berücksichtigen die derzeitigen rechtlichen Regelungen den technischen Wandel?“ Mit dieser Frage ging Herr Daniel Hinchliffe von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) direkt auf die von seiner Vorrednerin aufgezeigten Trends ein. Schwerpunkt der Präsentation lag auf der Regulierung des „Network Standby“ durch EU-Verordnungen und die G20 Network Standby Initiative. Als alternativen Ansatz zum Ordnungsrecht nannte er freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller. Er hob hervor, dass Netzwerksysteme grundsätzlich technisch extrem komplex und deshalb auch nicht einfach zu regeln seien. Eine weitere Herausforderung stelle die rasante technische Entwicklung dar.

Daran anschließend stellte Herr Dr. Lutz Stobbe, Senior Scientist beim Fraunhofer IZM die vorläufigen Ergebnisse einer aktuell laufenden Studie im Auftrag des BMWi zum IKT-bedingten Stromverbrauch vor. Dabei ging er sowohl auf den Stromverbrauch in den privaten Haushalten als auch in den Rechenzentren ein. 

Professor Stamminger vom Institut für Landtechnik der Universität Bonn fokussierte in seinem Vortrag vernetzte Haushaltsgeräte und kam zu dem Schluss, dass sich verschiedene Hausgeräte zwar für die Vernetzung und Demand-Response-Anwendungen eignen, die Energieeffizienz dadurch jedoch nicht gesteigert wird. Auf Geräteebene ergebe sich durch den Network Standby sogar ein Energiemehrverbrauch. Allerdings sind nach seinen Berechnungen auf Netzebene Energie- und Kosteneinsparungen möglich. Stamminger wies darüber hinaus auf die Notwendigkeit hin, dass Produkte standarisiert werde müssen, damit Verbraucher sie annehmen und variable Stromtarife angeboten werden müssen.

Handel als Multiplikator für Energieeffizienz

Nachfolgend ging Herr Holtz vom Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik e.V. in seiner Präsentation auf das Thema Smart Home ein und unterstrich in diesem Zusammenhang besonders die Notwendigkeit von Qualifizierungen der Handwerker, die vernetzte Geräte und Anwendungen in den Privathaushalten installieren und einrichten.

„Wie kann der Handel die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten unterstützen?“ Olaf Schulze, bei der METRO AG für Energiefragen zuständig, ging auf die Rolle des Handels als Effizienzmultiplikator ein. Als Möglichkeiten nannte Herr Scholz zum Beispiel die Veränderung des Sortiments, eine verbesserte Warenpräsentation sowie Mitarbeiterschulungen.

Abschließend stellte Herr Roman Zurhold, Projektleiter im Bereich Energiesysteme und Energiedienstleistungen der dena, erfolgreiche Strategien der Kampagne Initiative EnergieEffizienz vor. Dabei unterstrich er die Ansprache der Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette: Hersteller, Händler und Verbraucher. Außerdem stellte Herr Zurhold Ergebnisse aktueller repräsentativer Bevölkerungsumfragen der dena-Kampagne zur Vernetzung in den Haushalten vor, z.B. zu Gründen gegen die Anschaffung vernetzter Geräte.

Vorträge der Referentinnen und Referenten

Vernetzte Geräte, veränderte Nutzung durch private Verbraucher - eine Chance für die Energieeffizienz?

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Consumer Electronics 2015: Marktentwicklung und Trends.

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Ziele und Instrumente zur Steigerung der produktbezogenen Energieeffizienz in privaten Haushalten

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Wie erreicht man Hersteller, Händler und Verbraucher? Erfolgreiche Strategien der Kampagne Initiative EnergieEffizienz - private Haushalte

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Die Rolle des Handels: Wie können Händler die Nachfrage nach energieeffizienten Geräten unterstützen?

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Vernetzte Haushaltsgeräte – eine Chance für die Energieeffizienz?

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Berücksichtigen die derzeitigen rechtlichen Regelungen den technischen Wandel?

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