Expertenworkshop: Wirkungsvolle Mechanismen

Wirkungsvolle Mechanismen und Anreizsysteme zur Steigerung der Energieeffizienz in privaten Haushalten

Wie kann es gelingen, die ambitionierten Ziele der Bundesregierung zur Steigerung der Energieeffizienz zu erreichen? Wie können private Endverbraucher motiviert werden, die gegebenen Stromsparpotentiale zu heben und Maßnahmen umzusetzen? Diese Fragen diskutierten 40 Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft auf der Veranstaltung der dena am 4. Juni 2014 in Berlin.

04.06.2015

Einleitend unterstrich Kerstin Deller, Leiterin des Referats „Produktbezogene Energieeffizienz, Stromeffizienz“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die große Bedeutung des Themas Energieeffizienz als wichtige Säule einer nachhaltigen Energiewende. Sie stellte die energiepolitischen Rahmenbedingungen und Ziele sowie die wesentlichen Instrumente der Bundesregierung zur Zielerreichung vor und setzte diese in den europarechtlichen Kontext.

Steffen Joest, stellvertretender Leiter des Bereichs Energiesysteme und Energiedienstleistungen, knüpfte an die Ausführungen von Frau Deller an. Er wies auf die großen Potentiale für wirtschaftlich erschließbare Energieeinsparungen auch bei Stromanwendungen hin und forderte eine Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Erschließung dieser Potentiale. Er betonte die Bedeutung eines marktorientierten Ansatzes, demzufolge jeder Akteur von sich aus und aus eigenem Interesse Energieeffizienzmaßnahmen ergreift. Flankiert werden solle dieser Ansatz durch Ordnungsrecht und finanzielle Anreize.

Im Anschluss  stellte Frau Doris Sieber, Leiterin Marktforschung bei  der forsa Gesellschaft für statistische Analysen mbH, Ergebnisse einer dena-Studie zur Geräteausstattung und zum  Informationsstand zum Thema Strom sparen in privaten Haushalten vor. Als drei wesentliche Einflussfaktoren auf den Stromverbrauch in privaten Haushalten nannte Frau Sieber demographische Entwicklungen, die Zunahme  der Ausstattung mit elektrischen und elektronischen Geräten sowie ein verändertes Nutzungsverhalten. Eine zentrale Erkenntnis, aus den von forsa durchgeführten Erhebungen war weiterhin, dass Motivationstreiber für Energie sparen vor allem finanzielle Anreize sind sowie nachranging das Ziel, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Den vorgestellten Ergebnissen entnahm die Marktforscherin, dass es in der Bevölkerung eine Grundmotivation und grundsätzliche Bereitschaft gibt, stromsparend zu handeln und in energieeffiziente Geräte zu investieren, es aber oft an der tatsächlichen Umsetzung fehlt. „Dieses Potential kann noch gehoben werden – allerdings reichen hierfür Kommunikationsmaßnahmen nicht aus, vielmehr sind finanzielle Anreize notwendig“.

Roman Zurhold, Projektleiter im Bereich Energiesysteme und Energiedienstleistungen stellte im Anschluss die zentralen Maßnahmen und Erfolge der Informations- und Motivationskampagne Initiative EnergieEffizienz der dena vor. Auf Basis der Evaluation der Kampagne kam Herr Zurhold zu dem Schluss, dass  die grundsätzlichen Möglichkeiten zum Strom sparen vielen Menschen bekannt ist, dass es allerdings vor allem noch Aufklärungsbedarf hinsichtlich der konkreten situationsbezogenen Anwendung gebe. Die Motivation hierzu müsse noch spezifischer erfolgen.

Im Anschluss richtete Frau Dr. Christiane Dudda, Leiterin Team energie-Projekte, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) den Einblick auf die Erfahrungen aus der Energieberatungspraxis der Verbraucherzentralen. Akteure, die im Bereich der Energieberatung tätig sind, sollen sich nach ihrer Ansicht noch besser abstimmen und vernetzen. Auch Frau Dudda unterstrich die Notwendigkeit eines Instrumentenmix aus Gesetzen, Informations- und Motivations- und Beratungsangeboten sowie finanzieller Unterstützung für die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen.

Torsten Brose, Teamleiter Produkte & Themen Energieeffizienz bei der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) erläuterte die Rolle und Bedeutung der Stadtwerke als Akteur für die Umsetzung von Stromsparmaßnahmen. Er stellte einzelne Betätigungsfelder und konkrete Angebote von Stadtwerken vor. Neben der Energieberatung zählte er unter anderem die Bildung von örtlichen Netzwerken sowie die Weiterentwicklung von Onlinetools und Datenbanken zur Bereitstellung von Informationsangeboten und Energieeffizienzprodukten auf. 

Vorstellung von regionalen Projekten mit finanziellen Anreizinstrumenten

Sabine Hiller, Team Energieeffizienz der ENTEGA GmbH & Co. KG, stellte das Förderprogramm „Öko-Zuschuss“ vor. Im Rahmen des Programms wird ENTEGA-Kunden bei der Anschaffung neuer, energieeffizienter Haushaltsgroßgeräte ein finanzieller Zuschuss gewährt. Das Förderprogramm wurde intensiv auch in Kooperation mit Handelsketten beworben. Frau Hiller zog das Fazit, dass sich der Öko-Zuschuss als Kundengewinnungs- und vorwiegend als Kundenbindungsinstrument der ENTEGA bewährt hat.

Andreas Mucke, Projektleiter Energiearmut bei den Wuppertaler Stadtwerken präsentierte im Weiteren das Projekt „Kühlschranktausch für einkommensschwache Haushalte“, bei dem die Stadtwerke Geringverdienern für die Anschaffung eines neuen Kühlschranks unter ganz bestimmten Bedingungen finanzielle Ratenzahlung ermöglichen sowie einen finanziellen Zuschuss gewähren. Herr Mucke zog eine positive Bilanz des Pilotversuchs, der nun verlängert wird.

Florian Unger aus dem Energiereferat der Stadt Frankfurt präsentierte Erfahrungen aus dem Projekt „Frankfurt spart Strom“, insbesondere des Instruments Stromsparprämie. Die Prämie stellt eine nachgeschaltete Belohnung für jede nachweislich eingesparte Kilowattstunde dar. Zur Weiterentwicklung des Projekts plädierte Herr Unger u. a. für niedrigschwellige Handlungsansätze sowie „qualifizierte Feedbacks“, wie z. B. bei einem Hausbesuch. 

Fazit

Das Thema Energieeffizienz ist eine wichtige Säule einer nachhaltigen Energiewende. Es sind bereits Erfolge beim Stromsparen in allen Sektoren zu verzeichnen, allerdings müssen noch weitere Maßnahmen unternommen werden, um die anspruchsvollen Ziele der Bundesregierung zu erreichen.

Die privaten Haushalte verzeichnen nach wie vor einen deutlichen Anteil am Gesamtstromverbrauch in Deutschland. Um die bestehenden Stromsparpotentiale zu heben, braucht es auch zukünftig einen breiten Instrumentenmix aus ordnungsrechtlichen Instrumenten, wirkungsvollen Informations- Motivations- und Beratungsangeboten und vor allem finanzielle Förderungen.

Staatliche Fördermittelangebote und fiskalpolitische Regelungen, die beispielsweise im Wärmebereich für die Gebäudehülle und Anlagentechnik zur Anwendung kommen, finden im Bereich „Stromeffizienz in privaten Haushalten“ bisher kaum Berücksichtigung.

Einige regionale Marktakteure (z. B. Stadtwerke, Städte und Kommunen) bieten ihren Kunden beim Kauf von energieeffizienten Haushaltgroßgeräten finanzielle Förderungen, z. B. Prämienmodelle, Stromgutschriften oder Rabattaktionen an. Doch werden diese Finanzierungsanreize und Förderprogramme bisher oft noch als Pilotprojekte oder nur für ausgewählte Kundengruppen bzw. regional begrenzt angeboten. Um die Wirkung und den Bekanntheitsgrad solcher Finanzierungsanreize zu erhöhen, bedarf es dem Engagement weiterer Marktakteure bzw. einem ganzheitlichen Absatz, der die Angebote verschiedener Marktakteure zusammenführt und diese von zentraler Stelle vermarktet. 

Vorträge der Referentinnen und Referenten

Energiepolitische Ziele und Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland

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Analyse der Energieeffizienzinstrumente und Entwicklung des Energieverbrauchs in Deutschland

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Energieeffiziente Stromnutzung in privaten Haushalten: Geräteausstattung, Stromverbrauch und Informationsstand zum Thema ‚Stromsparen‘

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Informations- und Motivationsangebote zur Steigerung der Energieeffizienz

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Die Stromsparberatung: Professionelle Unterstützung von Energieberatern für private Haushalte

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Das Beratungs- und Informationsangebot von EVU zur Steigerung der Energieeffizienz in privaten Haushalten

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Der ENTEGA Öko-Zuschuss – Energieeffizienz wird gefördert

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Pilotversuch: Kühlschranktausch für einkommensschwache Haushalte

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Frankfurt spart Strom Die Stromsparprämie für private Haushalte

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